Gesundheitsberufe
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Gemeinsame Grundsätze zur Gesundheitspolitik

1. Die Gesundheitsberufekonferenz: Mitglieder – Ziele

Die Gesundheitsberufekonferenz ist ein Zusammenschluss von VertreterInnen der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe in Österreich. Ziel ist es, in grundsätzlichen Angelegenheiten im Gesundheitswesen, bei gemeinsamen Interessen der Gesund­heitsberufe, sowie in Fragen der PatientInnenbetreuung und Gesundheitsförderung gemeinsam zu informieren und Stellung zu beziehen sowie in der Öffentlichkeit aufzutreten.

2. Aktuelle Herausforderungen im Gesundheitswesen

2.1 Gesundheitsversorgung als öffentliche Aufgabe

Gesundheitsversorgung ist öffentliche Aufgabe, sie muss in der staatlichen Verant­wortung bleiben und darf nicht dem Einzelnen überantwortet werden. Die Gesund­heitsberufekonferenz spricht sich generell gegen die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens aus, denn dies führt zur Entwicklung eines Mehrklassen-Gesundheitssystems. Demgegenüber bedarf es auf Seiten der Leistungserbringer einer finanziellen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Sicherheit bei der Leistungserbringung. Auf der Seite der PatientInnen bedarf es des gleichen Rechts auf Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, unabhängig von deren sozialer Herkunft und wirtschaftlichen Verhältnissen.

2.2 Demographische Entwicklung

Zunehmende Alterung der Bevölkerung, neu entstehende Gesundheitsgefahren in Verbindung mit einem eingeschränkten Angebot erfordern ein damit einhergehendes Leistungsangebot, neue Technologien und die Anpassung der Qualität von Diagnose-, Präventions- und Behandlungsmaßnahmen und der Pflege.

Bis 2060 wird es in den 27 Mitgliedsstaaten 66,9 Mio. mehr Personen über 65 Jahre geben, wobei die Hochbetagten (über 80 Jahre) die am stärksten wachsende Gruppe darstellen.

Für diese neuen Herausforderungen müssen die Gesundheitsberufe gerüstet sein und geeignete Lösungen erarbeiten.

2.3 PatientInnenversorgung und Patientinnenschutz

Das Recht der PatientInnen auf bestmögliche Versorgung, patientInnennahe Angebote, gleichen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für alle Versicherten nach den jeweils geltenden Qualitätsstandards und nach den jeweiligen individuellen Behandlungs- und Versorgungsnotwendigkeiten ist zu sichern. Die Gesundheits­berufekonferenz tritt gegen Hürden bzw. Hemmnisse auf, welche die Inanspruch­nahme von Gesundheitsleistungen erschweren oder verhindern.

Mit einer optimalen PatientInnenversorgung verbunden sind PatientInnenschutz und ‑information, u.a. über die jeweiligen Kompetenzen der Gesundheitsberufe und den Unterschied zu gewerblichen Angeboten. Dieser Unterschied äußert sich vor allem durch die Qualitätsverpflichtung, die in den Berufsgesetzen geregelte Aus- und die Fortbildungsverpflichtung der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe.

Im Sinne einer optimalen PatientInnenversorgung und zum Schutz der Bevölkerung gibt es entsprechende Rechtsnormen mit Vorbehaltsregelungen für die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe. Die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe sehen sich dennoch vermehrt mit Übergriffen in deren Tätigkeitsvorbehalte durch andere Berufe konfrontiert. Im Sinne des PatientInnenschutzes ist eine klare Abgrenzung zu den gewerblichen Berufen erforderlich.

2.4 Qualitätsarbeit

Die Gesundheitsberufe werden weiterhin für sich und in Kooperation mit der Politik vergleichbare Kriterien der Qualitätsarbeit im Sinne der Versorgungsqualität der PatientInnen, aufbauend auf bereits bestehendem hohem Qualitätsniveau, erarbeiten. Dazu gehört die Harmonisierung bestehender Qualitätsstandards und die Erarbeitung von Leitlinien.

2.5 Prävention - Gesundheitsförderung - rechtliche Rahmenbedingungen

Im Gesundheitswesen gibt es ein weites Spektrum von Tätigkeiten zur Erhaltung und zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung durch die Gesundheitsberufe.

Der Gesundheitsförderung und Prävention wird, abgesehen von ihrer Bedeutung zur Erhaltung der Gesundheit, ein erheblicher Anteil für die Kostensenkung von Behandlungs- und Pflegeleistungen zugemessen.

In diesem Sinne sind die Mitglieder der Gesundheitsberufe-Konferenz in diese Vorhaben entsprechend einzubinden, um den Einsatz und die Umsetzung des Fachwissens der Gesundheitsberufe im Sinne der Qualitätssicherung zu gewähr­leisten.

Dies kann z.B. im Rahmen von Programmen zur Gesundheitserziehung in Kindergärten und Schulen, Gesundheitsförderung in verschiedenen Settings passieren.

Im Zusammenhang mit der Gesundheitsförderung sei die Entwicklung von Anreiz-Systemen ohne Benachteiligung sozial Schwacher vorgeschlagen.

Die Gesundheitsberufekonferenz fordert klar definierte Rechtsgrundlagen für die koordinierte Umsetzung der Gesundheitsförderung durch Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung.

3. Situation der Gesundheitsberufe

Zusätzlich zu den beschriebenen Herausforderungen sehen sich die Gesundheitsberufe auch mit folgenden Themen konfrontiert, mit welchen sie sich intensiv befassen:

Um den Ansprüchen einer optimalen PatientInnenversorgung gerecht zu werden, ist die Finanzierung der Ausbildung durch die öffentliche Hand zu gewährleisten und in bedarfsorientierter Anzahl sicher zu stellen. Hier sind unbedingt zukünftige Entwicklungen (z.B. erhöhter Bedarf an Gesundheitsdienstleistern, Migration, Nachwuchsproblematik mancher Gesundheitsberufe) zu berücksichtigen.

Ebenfalls eine Notwendigkeit stellt die hinreichende personelle Ausstattung des öffentlichen Gesundheitswesens mit qualifizierten Arbeitskräften dar, dies sowohl für eine optimale Behandlung als auch für einen wirksamen Arbeitsschutz der Gesundheitsdienstleister.

Fortbildung ersetzt nicht Ausbildung. Die Gesundheitsberufe fordern qualitäts­gesicherte Ausbildung in bedarfsorientierter Anzahl, die Definition von Fort­bildungskriterien unter Einbeziehung der Gesundheitsberufe, wobei regelmäßige Fortbildung nur auf Basis einer anspruchsvollen Ausbildung erfolgen kann.

Viel zu wenig Wissen über den Wert und die zentrale Bedeutung der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe birgt für manche Berufe zum einen eine Nachwuchsproblematik; außerdem werden vielfach nicht die entsprechend qualifizierten Gesundheitsberufe für eine erforderliche Behandlung aufgesucht. In diesem Zusammenhang ist die Gesundheitspolitik aufgefordert, ihrer Informationspflicht im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung in Österreich nachzukommen und die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe bestmöglich zu unterstützen.

Entscheidungen in verschiedenen Gremien des Gesundheits- und Bildungswesens sind mit den betroffenen Berufsgruppen zu treffen. Um zu einer bestmöglichen fachlich-inhaltlichen Entscheidung zu kommen, sind in allen Fragen der Versorgung und der Qualitätssicherung die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz und ‑expertise jedenfalls durch die Politik, Behörden, Ämter und alle Interessierte einzubeziehen.

4. Datenlage

Die Entwicklung des öffentlichen Gesundheitswesens und dessen Finanzierung bedarf zur Planung und Steuerung einer kontinuierlichen Erhebung von erforderlichen Informationen über den Bedarf der Bevölkerung an Gesundheitsleistungen.

Öffentliche Gesundheitsdienstleistungen folgen keinen marktwirtschaftlichen Mechanismen. Dies ist im Wesentlichen durch die Unvorhersehbarkeit von individuellen Situationen, Bedürfnissen, Voraussetzungen begründet.

5. Finanzierung

Die Gesundheitsberufekonferenz fordert eine ausreichende Dotierung des öffentlichen Gesundheitswesens sowie der Pflegeversorgung,gleichen Zugang zur Behandlung und Pflege psychischer und körperlicher Erkrankungen (entsprechende finanzielle Abgeltung für die gesetzlich legitimierten Leistungserbringer ), eine bedarfsgerechte Ausrichtung der finanziellen Leistungen durch die Sozial­versicherung, den Bund und die Länder, den Abbau der finanziellen Barrieren beim Zugang zu notwendigen Leistungen von Gesundheitsberufen durch Ausbau des Sachleistungssystems.

Tendenziell findet in allen gesetzlich geregelten Gesundheitsberufen eine Leistungsverdichtung statt. Diesen Anforderungen halten die Gesundheitsdienst­leister immer weniger stand.

Die finanziellen Rahmenbedingungen entsprechen nicht den steigenden Anforderungen.

Fortschreitende Nachwuchsprobleme, mangelnde Förderung des Ansehens der Gesundheitsberufe, Abwanderung der Fachkräfte sowie Migration sind wesentliche Probleme für die Gesundheitsversorgung in Österreich.

Krankenkassen sollen sich auf ihre Kernaufgaben der Sicherstellung von Pflichtleistungen unter Berücksichtigung des wissenschaftlichen Fortschrittes im Gesundheitsbereich beschränken können, wichtiger Punkt dabei ist die Entschuldung der Krankenkassen.

6. Wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitsberufe

Gesundheitsdienstleister bieten ihre Leistungen unter folgenden Prämissen an:

Gesundheitsdienstleistung als

-) Sozialfaktor

-) Wirtschaftsfaktor

-) Wertschöpfungsfaktor

-) Arbeitsmarktfaktor

Deshalb darf nicht die Wertschätzung gegenüber den Gesundheitsdienstleistungs­erbringern aus den Augen verloren werden. Für die Gesundheitsberufe steht die Gesundung des Patienten im Mittelpunkt ihres Handelns.